Schrift: A A A

Stiftung Warentest

In der Ausgabe 9/02 hat sich die Stiftung Warentest unter der Überschrift

"Vom Ich zum Wir"

mit Selbsthilfegruppen im Gesundheitsbereich und den Wirkungen auf die engagierten Menschen befasst.

Das Testergebnis ist eindeutig:

„In Selbsthilfegruppen unterstützen sich Patienten gegenseitig bei der Bewältigung ihrer Krankheit, informieren und motivieren einander. Das steigert die Lebensqualität und fördert die Gesundheit.“

Neben der Erläuterung wichtiger Forschungsergebnisse – sollten eigentlich alle ÄrztInnen als Pflichtlektüre haben – werden unterschiedliche Formen der Selbsthilfe und der Selbsthilfezusammenschlüsse dargestellt. Ergänzt wird dies durch Literaturhinweise und interessante Internetadressen.
Nähere Infos und die Möglichkeit, den Testbericht gegen eine geringe Gebühr auszudrucken, gibt es im Internet bei www.stiftung-warentest.de.

Hier einige Auszüge aus diesem Beitrag zu den Wirkungen der Selbsthilfe bzw. der Teilnahme an Selbsthilfegruppen:

  • Verständnis und Zeit für offene Worte, ein vertrauensvolles Auseinandersetzen mit der Lebenssituation und der Wille, die eigene Krankheit oder die der Angehörigen zu verstehen, um damit leben zu können – das sind die Motive, die immer mehr Menschen dazu bewegen,  sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen oder eine solche zu gründen. Menschen, die sich  von den Gesundheitsprofis allein gelassen fühlen mit ihren Fragen und Ängsten. Anstatt zu resignieren, werden sie aktiv – und sie helfen sich selbst und kommen dadurch anderen zu Hilfe.
  • Schätzungsweise 70.000 - 100.000 Selbsthilfegruppen gibt es zurzeit in Deutschland, mit rund 3,5 Millionen Mitwirkenden (Anm.: Die Zahlen wurden durch die KISS Peine redaktionell überarbeitet und aktualisiert, Stand: 2010, Quelle: NAKOS). Sie teilen ein unschätzbar wertvolles Gut miteinander: die persönliche Erfahrung. Wie bewältige ich meine Krankheit im Alltag, wie bewahre ich mir trotz allem ein Höchstmaß an Lebensqualität? Die Mitglieder von Selbsthilfegruppen können von ihren Lösungsversuchen berichten und ihren Leidensgenossen konkrete Ratschläge geben. Sie, und nur sie, vermitteln „erlebte Kompetenz“ – und wirken damit auf ganz eigene Art therapeutisch.
  • „Selbsthilfe ist praktische Lebenshilfe, die kein Arzt oder Therapeut zu leisten vermag“, sagt  Dr. Bernhard Borgetto, der an der Universität Freiburg die Clearing- und Dokumentationsstelle für Selbsthilfeforschung leitet. „Allein das Gefühl, der Gruppe nichts mehr erklären zu müssen, weil alle ähnliche Erfahrungen haben, macht es den Betroffenen leicht, unbefangen und vertrauensvoll über Probleme zu reden.“ Borgetto sammelt mit seinen Mitarbeitern sämtliche Ergebnisse, die es zur wissenschaftlichen Erforschung der Selbsthilfe in Deutschland gibt. Sein Fazit: "Selbsthilfe wird gesundheitsfördernd."
  • Insbesondere bei chronischen, psychosomatischen und Suchterkrankungen zeigt sich, dass Selbsthilfe zu mehr Wohlbefinden, einem positiven Krankheitsverlauf und sogar längerer Lebensdauer beitragen kann, so Borgetto, wenngleich bislang der wissenschaftliche Nachweis für eine bestimmte Einzelerkrankung fehlt. Für Borgetto steht fest: "Wer als Mediziner nicht zur Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe motiviert, begeht einen ärztlichen Kunstfehler."

(Zusammenfassung  - mit geringen Veränderungen aus: www.selbsthilfenetz.de, Webseite des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes - Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V.)